Reiseimpfungen im Überblick: welche Impfung wofür und für wen

Redaktion promovax.eu · Stand 20. Oktober 2026 · Quellen siehe unten

Reiseimpfungen schützen vor Infektionen, die am Reiseziel häufiger vorkommen als in Deutschland, etwa Hepatitis A, Typhus, Tollwut, Japanische Enzephalitis oder Gelbfieber. Welche davon Sie brauchen, hängt laut STIKO und DTG von Reiseziel, Reisedauer, Reisezeit, Reiseart und Ihrer Gesundheit ab. Die Basis ist immer ein vollständiger Impfschutz nach dem STIKO-Impfkalender. Vorgeschrieben ist bei der Einreise in manche Länder vor allem der Nachweis einer Gelbfieberimpfung.

Drei Gruppen: vorgeschrieben, generell empfohlen, bei Risiko

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) teilt Reiseimpfungen für die Praxis in drei Gruppen ein. Diese Einteilung hilft Ihnen, Empfehlungen auf Länderseiten richtig zu lesen.

  • Vorgeschriebene Impfungen: Ein Land verlangt bei der Einreise einen Nachweis. Nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften betrifft das vor allem die Gelbfieberimpfung. Für Pilgerreisen nach Mekka verlangt Saudi-Arabien laut STIKO einen Meningokokken-Nachweis, und einige Länder können nach Vorgaben der WHO einen Polio-Nachweis fordern.
  • Generell empfohlene Impfungen: Dazu zählen die Standardimpfungen für alle Erwachsenen sowie Reiseimpfungen, die für fast alle Reisenden in ein bestimmtes Gebiet sinnvoll sind, zum Beispiel Hepatitis A.
  • Impfungen bei besonderem Risiko: Sie kommen nur infrage, wenn Reiseart, Dauer oder Aktivitäten das Ansteckungsrisiko erhöhen, etwa bei Langzeitaufenthalten, einfachem Reisestil oder engem Tierkontakt.

Für die Gelbfieberimpfung gilt eine Besonderheit: Sie darf in Deutschland nur in staatlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen erfolgen (§ 7 IGV-Durchführungsgesetz). Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Gelbfieberimpfung.

Die wichtigsten Reiseimpfungen auf einen Blick

Die folgende Übersicht fasst die Impfindikationen aus den Reiseimpfempfehlungen von STIKO und DTG (Epidemiologisches Bulletin 27/2026) zusammen. Welche Länder betroffen sind, zeigen die Länderseiten zu Reiseimpfungen.

Impfung Schutz vor Wann laut STIKO ein Thema
Hepatitis A Leberentzündung, übertragen über verunreinigte Lebensmittel und Wasser Reisen in Gebiete, in denen Hepatitis A häufig vorkommt
Hepatitis B Leberentzündung, übertragen über Blut und Körperflüssigkeiten nach individueller Gefährdungsbeurteilung
Typhus bakterielle Allgemeininfektion über Wasser und Lebensmittel Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen
Tollwut fast immer tödliche Virusinfektion nach Tierbiss Regionen mit Tollwutgefahr und erhöhter Wahrscheinlichkeit für Tierkontakt
Japanische Enzephalitis von Mücken übertragene Viruserkrankung, selten mit schwerer Gehirnentzündung Endemiegebiete in der Übertragungszeit, besonders bei Langzeitaufenthalt oder Nähe zu Reisfeldern und Schweinezucht
Gelbfieber von Mücken übertragene Viruserkrankung Länder mit Übertragungsgefahr oder mit Nachweispflicht bei Einreise
Cholera Durchfallerkrankung, die schwer verlaufen kann Epidemiegebiete mit ungesichertem Zugang zu Trinkwasser, Einsätze in der Katastrophenhilfe
Meningokokken Hirnhautentzündung und Blutvergiftung Länder mit epidemischem Vorkommen bei engem Kontakt zur Bevölkerung, Pilgerreise nach Mekka
FSME von Zecken übertragene Hirnhaut- und Gehirnentzündung Zeckenkontakt in Risikogebieten außerhalb Deutschlands, etwa beim Wandern oder Campen
Polio Kinderlähmung Regionen mit Infektionsrisiko laut aktueller WHO-Lage

Dengue und Chikungunya: enge Empfehlungen

Gegen Dengue und Chikungunya gibt es inzwischen Impfungen, die STIKO empfiehlt sie aber nur für bestimmte Gruppen. Die Dengue-Impfung kommt laut STIKO für Personen ab vier Jahren infrage, die bereits eine labordiagnostisch gesicherte Dengue-Infektion hatten und in ein Endemiegebiet mit erhöhtem Risiko reisen. Die Chikungunya-Impfung empfiehlt die STIKO Personen ab zwölf Jahren bei Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete sowie bei längeren oder wiederholten Aufenthalten in Endemiegebieten, wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Für beide Erkrankungen bleibt konsequenter Mückenschutz am Tag und in der Nacht die wichtigste Maßnahme. Hintergründe finden Sie im Ratgeber Dengue und Mückenschutz.

Was über die Auswahl entscheidet

Die STIKO nennt mehrere Faktoren, die bei der Impfentscheidung berücksichtigt werden sollen:

  1. Reiseziel und Regionen: Hygiene, medizinische Versorgung und Krankheitsgeschehen unterscheiden sich von Land zu Land und auch innerhalb eines Landes, etwa zwischen Großstadt und ländlicher Region.
  2. Reisedauer: Eine längere Reise bedeutet eine längere Zeit mit Ansteckungsrisiko. Als Langzeitaufenthalt gilt in den STIKO-Empfehlungen ein Aufenthalt von mehr als vier Wochen. Auch wiederholte Kurzreisen können das Risiko erhöhen.
  3. Reisezeit: Während der Regenzeit steigt das Risiko für Erkrankungen, die durch Mücken übertragen werden, etwa Dengue oder Gelbfieber.
  4. Reiseart und Aktivitäten: Eine Rucksackreise oder Trekkingtour birgt andere Risiken als ein Hotelaufenthalt in einer Großstadt.
  5. Persönliche Faktoren: Alter, Vorerkrankungen, Medikamente, Schwangerschaft und bekannte Unverträglichkeiten beeinflussen, welche Impfungen geeignet sind.

Eine erste Orientierung für Ihr Reiseziel gibt der Reiseimpf-Check. Er ersetzt aber nicht das ärztliche Gespräch, in dem diese Faktoren gemeinsam abgewogen werden.

Wer berät und impft

Das Auswärtige Amt empfiehlt, Vorsorgemaßnahmen mit ausreichendem Abstand zur Reise mit erfahrenen Tropen- oder Reisemedizinerinnen und Reisemedizinern zu besprechen. Es führt selbst keine individuellen Beratungen durch. Infrage kommen:

  • Hausärztliche Praxen mit reisemedizinischer Erfahrung, besonders für Standardimpfungen und einfache Reisen.
  • Reisemedizinische Praxen mit Zusatzqualifikation, die auch komplexe Routen und Langzeitreisen planen.
  • Gelbfieber-Impfstellen, die als einzige gegen Gelbfieber impfen und die internationale Bescheinigung ausstellen dürfen.
  • Tropenmedizinische Ambulanzen und Institute, etwa bei Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder schwierigen Fragestellungen.

Passende Anlaufstellen in Ihrer Nähe finden Sie im Verzeichnis Reisemedizin in Deutschland.

Impfungen sind nur ein Teil des Schutzes

Die STIKO betont, dass Reiseimpfungen eine vollständige Reiseberatung ergänzen und nicht ersetzen. Gegen viele Reisekrankheiten gibt es keine Impfung, etwa gegen Malaria oder die meisten Durchfallerreger. Deshalb gehören Händehygiene, sicheres Trinkwasser, sorgfältig zubereitete Speisen und ein konsequenter Schutz vor Mücken und Zecken zu jeder Reisevorbereitung. Wie Sie sich gegen Malaria schützen, lesen Sie im Ratgeber Malaria-Schutz.

Zeitpunkt und Kosten

Impfungen und Impfserien sollten laut STIKO spätestens zwei Wochen vor Reisebeginn abgeschlossen sein. Da manche Impfungen mehrere Termine brauchen, lohnt sich eine frühe Planung, siehe Zeitplan vor der Abreise. Reiseimpfungen für private Reisen zahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht automatisch, viele Kassen erstatten sie aber freiwillig. Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Kosten von Reiseimpfungen.

Häufige Fragen

Welche Reiseimpfungen sind Pflicht?

Vorgeschrieben ist bei der Einreise in manche Länder vor allem der Nachweis einer Gelbfieberimpfung, teils für alle Reisenden, teils nur bei Einreise aus einem Gelbfiebergebiet. Für Pilgerreisen nach Mekka verlangt Saudi-Arabien laut STIKO einen Meningokokken-Nachweis, einzelne Länder können außerdem einen Polio-Nachweis fordern.

Welche Reiseimpfung brauchen fast alle Fernreisenden?

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Hepatitis A für Reisen in Gebiete, in denen die Krankheit häufig vorkommt, das betrifft viele beliebte Fernreiseziele. Ebenso wichtig sind die Standardimpfungen nach dem STIKO-Impfkalender, etwa gegen Tetanus, Diphtherie und Masern.

Wer entscheidet, welche Impfungen ich bekomme?

Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in einer reisemedizinischen Beratung. Die STIKO beschreibt das ausdrücklich als gemeinsame Entscheidungsfindung auf Grundlage von Route, Reisedauer, Reisestil und persönlichen Risikofaktoren.