Tollwut auf Reisen: Risiko, Vorbeugung und Verhalten nach einem Biss

Redaktion promovax.eu · Stand 20. Oktober 2026 · Quellen siehe unten

Tollwut wird über den Speichel infizierter Tiere übertragen, meist durch Bisse oder Kratzer von Hunden. Sind erste Krankheitszeichen aufgetreten, verläuft die Erkrankung nahezu immer tödlich. Eine rasche Behandlung nach dem Kontakt kann sie aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verhindern. Waschen Sie deshalb jede Biss- oder Kratzwunde sofort mindestens 15 Minuten mit Wasser und Seife und suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, auch wenn Sie vorbeugend geimpft sind. Ob eine Impfung schon vor der Reise sinnvoll ist, hängt laut STIKO von Reiseland, Versorgung vor Ort, Dauer und Reisestil ab.

Wie Tollwut übertragen wird

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die vom Tier auf den Menschen übergeht und das Nervensystem befällt. Laut WHO gehen bis zu 99 Prozent der Fälle beim Menschen auf Hunde zurück. Das Virus gelangt über Bisse, Kratzer oder den Kontakt von Speichel mit Schleimhäuten oder offenen Wunden in den Körper. Auch andere Säugetiere können Tollwut übertragen. Fledermäuse und Flughunde sind weltweit ein mögliches Risiko. Laut STIKO zählt der Besuch eines Affenparks zu den Situationen, in denen Reisende häufiger in riskanten Tierkontakt kommen.

Die Zeit bis zum Ausbruch ist sehr unterschiedlich und beträgt im Durchschnitt zwei bis drei Monate. Bei Bissen am Kopf kann sie kürzer sein. Das ist ein Grund, warum Kinder besonders gefährdet sind: Sie werden wegen ihrer Körpergröße häufiger im Gesicht gebissen und erzählen nicht immer von einem Tierkontakt.

Wo ein Risiko besteht

Laut STIKO ereignen sich die meisten Tollwut-Todesfälle in Asien und Afrika, allein rund ein Drittel davon in Indien. Große Teile Europas, Kanada, die USA, Japan und Mexiko haben die durch Hunde übertragene Tollwut beseitigt. In Australien, Neuseeland und vielen pazifischen Inselstaaten kommt Tollwut bei Landtieren nicht vor. Deutschland gilt seit 2008 als frei von Tollwut bei Landtieren. Fledermaustollwut gibt es dagegen weltweit.

Das Risiko, sich auf Reisen tatsächlich anzustecken, ist laut STIKO gering. Tierbisse und Kratzer sind bei Reisenden aber keine Seltenheit, und in manchen Ländern sind die nötigen Impfstoffe nach einem Kontakt nur begrenzt verfügbar. Das Auswärtige Amt weist darauf zum Beispiel für Thailand hin. Die Einschätzung für Ihr Reiseland finden Sie auf unseren Länderseiten.

Wer sich vor der Reise impfen lassen sollte

Die STIKO empfiehlt die vorbeugende Impfung bei Reisen in Länder mit hohem oder mittlerem Risiko für Hundetollwut, wenn eine der folgenden Situationen zutrifft:

Situation Warum sie zählt
unzureichende ärztliche Versorgung vor Ort die Behandlung nach einem Biss ist schwer rechtzeitig erreichbar
bekannter oder vermuteter Mangel an Impfstoff und Immunglobulin die nötigen Mittel fehlen im Notfall
einfache Reise- oder Aufenthaltsbedingungen höhere Wahrscheinlichkeit für Tierkontakt und oft weite Wege zur Versorgung
Aktivitäten wie Radfahren oder Laufen laut STIKO erhöhte Expositionsgefahr
absehbarer Umgang mit Wildtieren außerhalb Europas, Australiens und Ozeaniens direktes Expositionsrisiko
absehbarer Kontakt mit Fledertieren, etwa beim Höhlenbesuch Fledermaustollwut kommt weltweit vor

In Ländern mit hohem Risiko gelten diese Kriterien laut STIKO unabhängig von der Reisedauer, in Ländern mit mittlerem Risiko vor allem bei Aufenthalten über vier Wochen oder wiederholten Kurzreisen. Für Kinder empfiehlt die STIKO, die Indikation großzügig zu stellen, eine Altersgrenze gibt es nicht.

Die vorbeugende Impfung braucht mehrere Termine. Planen Sie sie deshalb frühzeitig ein, siehe Zeitplan vor der Abreise. Eine reisemedizinische Praxis in Ihrer Nähe finden Sie im Verzeichnis Reisemedizin in Deutschland.

So beugen Sie vor Ort vor

Unabhängig von der Impfung ist der wichtigste Schutz, Bisse zu vermeiden:

  • Streicheln oder füttern Sie keine Straßenhunde, Katzen oder Affen, auch wenn sie zahm wirken.
  • Halten Sie Abstand zu Wildtieren. Laut STIKO verlieren tollwütige Wildtiere oft ihre natürliche Scheu, ungewöhnlich zutrauliche Tiere sind deshalb ein Warnsignal.
  • Fassen Sie Fledermäuse und Flughunde nicht an.
  • Beaufsichtigen Sie Kinder in der Nähe von Tieren besonders und fragen Sie nach, ob es Kontakt gab.

Nach Biss, Kratzer oder Lecken: was sofort zu tun ist

Ein Tierkontakt im Ausland ist immer ein Grund, schnell zu handeln. Die STIKO und die WHO teilen Kontakte in drei Grade ein:

Grad Art des Kontakts Einordnung
I Berühren oder Füttern, Lecken auf intakter Haut kein Risiko, Haut waschen
II oberflächliche Kratzer ohne Blutung, Knabbern oder Lecken an verletzter Haut umgehend ärztliche Behandlung nötig
III Bisse, blutende Kratzer, Speichel auf Schleimhäuten oder Wunden, jeder Verdacht auf Fledermauskontakt sofortige ärztliche Behandlung nötig

So gehen Sie vor:

  1. Wunde sofort auswaschen: Reinigen Sie die Wunde und alle möglicherweise betroffenen Hautstellen mindestens 15 Minuten gründlich mit Wasser und Seife.
  2. Desinfizieren: Anschließend sollte die Wunde antiseptisch behandelt werden. Nähen oder Verätzen sollte laut RKI nicht erfolgen.
  3. Umgehend ärztliche Hilfe suchen: Fahren Sie noch am selben Tag in eine Klinik oder Praxis. Dort wird entschieden, ob eine Behandlung nach dem Kontakt nötig ist. Diese sogenannte Postexpositionsprophylaxe ist laut STIKO auch nach vollständiger vorbeugender Impfung bei jedem relevanten Kontakt erforderlich.
  4. Tetanusschutz prüfen lassen: Laut RKI-Ratgeber sollte bei Bisswunden auch an den Tetanusschutz gedacht werden.
  5. Unterlagen mitnehmen: Zeigen Sie Ihren Impfpass und notieren Sie Ort, Datum und das beteiligte Tier.

Auch wenn der Kontakt schon einige Zeit zurückliegt, lohnt sich die ärztliche Abklärung. Wegen der langen Zeit bis zum Ausbruch kann eine Behandlung laut STIKO auch Wochen bis Monate nach dem Kontakt noch sinnvoll sein. Warten Sie aber nicht ab, sondern lassen Sie sich so früh wie möglich untersuchen, notfalls auch nach der Rückkehr in Deutschland.

Warum die Vorimpfung trotzdem hilft

Die vorbeugende Impfung ersetzt nicht die Behandlung nach einem Biss, sie vereinfacht sie aber deutlich. Laut STIKO ist bei vorgeimpften Personen in der Regel keine Gabe von Tollwut-Immunglobulin nötig, das vor Ort nicht überall verfügbar ist. Gerade bei längeren oder abgelegenen Reisen verschafft Ihnen das wertvolle Sicherheit. Ob die Impfung für Ihre Reise sinnvoll ist, besprechen Sie in der reisemedizinischen Beratung. Einen ersten Überblick bieten der Reiseimpf-Check und unser Ratgeber Reiseimpfungen im Überblick.

Häufige Fragen

Was muss ich nach einem Hundebiss im Urlaub tun?

Waschen Sie die Wunde sofort mindestens 15 Minuten gründlich mit Wasser und Seife und desinfizieren Sie sie anschließend. Suchen Sie danach umgehend eine Ärztin, einen Arzt oder ein Krankenhaus auf, damit über eine Behandlung nach dem Kontakt entschieden wird, auch wenn Sie vorbeugend geimpft sind.

Brauche ich für eine Pauschalreise eine Tollwutimpfung?

Nicht unbedingt. Laut STIKO hängt die Empfehlung vom Tollwutrisiko im Land, der medizinischen Versorgung vor Ort, der Reisedauer und Ihren Aktivitäten ab. Bei einem Hotelurlaub in einer touristischen Region ist die Abwägung oft anders als bei einer Rucksack- oder Radreise.

Gibt es in Deutschland noch Tollwut?

Deutschland gilt laut STIKO seit 2008 als frei von Tollwut bei Landtieren wie Füchsen und Hunden. Fledermaustollwut kommt dagegen weltweit vor, auch hierzulande, deshalb sollten Fledermäuse nur mit Schutz angefasst werden.