Reisemedizinische Beratung: wer berät, was Sie mitbringen und was besprochen wird
Redaktion promovax.eu · Stand 20. Oktober 2026 · Quellen siehe unten
Eine reisemedizinische Beratung klärt vor Ihrer Abreise, welche Impfungen, welcher Malariaschutz und welche Vorsorge für genau Ihre Reise sinnvoll sind. Sie findet in Praxen mit reisemedizinischer Qualifikation, in Tropeninstituten und teilweise in Gesundheitsämtern statt. Bringen Sie Ihren Impfpass, Ihre Reiseroute und eine Liste Ihrer Medikamente mit, und planen Sie den Termin früh, denn Reiseimpfungen sollten laut STIKO und DTG spätestens zwei Wochen vor Reisebeginn abgeschlossen sein.
Wer reisemedizinisch berät
STIKO, Robert Koch-Institut und DTG weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie selbst keine individuellen Beratungen zu Reiseimpfungen durchführen. Dafür stehen laut ihren gemeinsamen Empfehlungen spezialisierte niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Tropeninstitute und teilweise Gesundheitsämter zur Verfügung.
| Anlaufstelle | Was Sie dort erwarten können |
|---|---|
| Praxis mit reisemedizinischem Schwerpunkt | Beratung und Reiseimpfungen, oft in der Hausarzt- oder Internistenpraxis |
| Gelbfieber-Impfstelle | zusätzlich die Gelbfieber-Impfung mit internationaler Bescheinigung |
| Tropeninstitut oder tropenmedizinische Ambulanz | Beratung bei komplexen Reisen, Vorerkrankungen und Beschwerden nach der Rückkehr |
| Gesundheitsamt | je nach Kommune Impfsprechstunde oder Beratung, Angebot vorab erfragen |
Viele Ärztinnen und Ärzte haben sich zusätzlich qualifiziert. Die Bundesärztekammer hat dafür ein Curriculum „Reisemedizinische Gesundheitsberatung“ veröffentlicht. Die DTG vergibt ein Zertifikat Reisemedizin nach einem Grundkurs von 32 Unterrichtsstunden, das nur gültig bleibt, wenn alle drei Jahre ein Refresherkurs besucht wird. Die Gelbfieber-Impfung dürfen nach § 7 IGV-Durchführungsgesetz nur Stellen geben, die von der zuständigen Behörde zugelassen sind. Passende Anlaufstellen in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Verzeichnis für Reisemedizin.
Wann Sie den Termin legen sollten
Der richtige Zeitpunkt hängt von Ziel und Impfstatus ab. Fest steht: Laut STIKO und DTG sollten Impfungen und Impfserien spätestens zwei Wochen vor Reisebeginn abgeschlossen sein. So kann sich der Schutz aufbauen, und mögliche Impfreaktionen klingen vor der Abreise ab. Weil manche Impfungen mehrere Termine brauchen, rät die DTG in ihren Hinweisen zur Reiseapotheke, je nach Reiseziel 8 bis 14 Wochen vorher Zeit einzuplanen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Impfzeitplan vor der Reise.
Ist die Reise schon in wenigen Tagen, lohnt sich ein Termin trotzdem. Was dann noch möglich ist, erklärt der Ratgeber Last-Minute-Reise.
Was Sie mitbringen sollten: Checkliste
Je genauer Ihre Angaben, desto passender die Empfehlung. Legen Sie vor dem Termin bereit:
- Impfpass und ältere Impfbescheinigungen, auch aus Kindheit oder Beruf, siehe Ratgeber Impfpass
- Reiseroute mit Ländern, Regionen und Daten, auch Transitaufenthalte
- Reisedauer und ob Sie wiederholt in die Region reisen
- Reiseart und Unterkunft: Hotel, Rundreise, Rucksack, Camping, Kreuzfahrt
- Geplante Aktivitäten: Trekking, Tauchen, Höhentouren, Arbeit mit Tieren, Besuch von Familie vor Ort
- Vorerkrankungen und eine aktuelle Medikamentenliste
- bekannte Allergien oder frühere Impfreaktionen
- bestehende oder geplante Schwangerschaft oder Stillzeit
- Erfahrungen mit früherer Malariavorbeugung
Was in der Beratung besprochen wird
Die STIKO-DTG-Empfehlungen nennen mehrere Faktoren, die in jede Beratung einfließen: welche Länder und Regionen Sie besuchen, wie lange Sie bleiben, ob Sie in der Regenzeit reisen, wie Sie reisen und was Sie vor Ort vorhaben. Hinzu kommen persönliche Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten. Daraus ergibt sich eine Abwägung von Nutzen und Risiko, die Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt treffen.
Impfungen
Zuerst wird geprüft, ob Ihre Standardimpfungen nach STIKO-Impfkalender vollständig sind. Danach geht es um Impfungen, die das Reiseziel nahelegt, und um Impfungen, die ein Land bei der Einreise vorschreibt, etwa gegen Gelbfieber. Die STIKO empfiehlt, die Beratung zu dokumentieren und Ihnen schriftlich mitzugeben, wann weitere Impftermine anstehen. Eine erste Orientierung vor dem Termin bietet der Reiseimpf-Check.
Malaria und Mückenschutz
Für Ziele mit Malariarisiko wird besprochen, ob Mückenschutz allein reicht oder ob zusätzlich eine medikamentöse Vorbeugung oder ein Notfallmedikament sinnvoll ist. Die Grundlage sind die jährlich aktualisierten Empfehlungen der DTG. Auch Dengue, Chikungunya und Zika werden durch Mücken übertragen. Hintergründe finden Sie in den Ratgebern Malaria und zum Mückenschutz gegen Dengue.
Hygiene, Reiseapotheke und weitere Themen
Eine vollständige Reiseberatung umfasst laut STIKO und DTG auch Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene, sexuell übertragbare Infektionen, aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise, Höhenmedizin, Gifttiere und Sonnenschutz. Viele Praxen gehen außerdem die Reiseapotheke und die Mitnahme Ihrer Dauermedikamente durch, siehe Ratgeber Reiseapotheke.
Besondere Reisende
Für einige Gruppen passen die üblichen Empfehlungen nicht ohne Weiteres. STIKO und DTG nennen Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kinder, ältere Reisende, Menschen mit Grunderkrankungen oder Immunschwäche, Langzeitreisende sowie Personen, die Freunde und Verwandte im Herkunftsland besuchen. Letztere reisen laut den Empfehlungen oft länger, eher ländlich und kurzfristig, nehmen aber seltener eine Beratung in Anspruch. Wenn Sie zu einer dieser Gruppen gehören, planen Sie mehr Zeit für das Gespräch ein.
Kosten
Die Beratung und die Reiseimpfungen für private Reisen sind keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Krankenkassen erstatten Reiseimpfungen aber freiwillig als Satzungsleistung. Fragen Sie vorab in der Praxis nach den Kosten und bei Ihrer Kasse nach der Erstattung. Einzelheiten erklärt der Ratgeber Kosten für Reiseimpfungen.
Nach der Reise
Die Beratung endet nicht mit der Abreise. Wenn Sie nach einer Tropenreise Fieber oder andere unklare Beschwerden bekommen, suchen Sie ärztliche Hilfe und erwähnen Sie die Reise ausdrücklich. Die DTG betont, dass bei Fieber auch noch Monate nach der Rückkehr aus einem Malariagebiet umgehend eine Malaria ausgeschlossen werden muss.
Häufige Fragen
Wann sollte ich die reisemedizinische Beratung einplanen?
So früh wie möglich, sobald Ziel und Reisezeit feststehen. STIKO und DTG empfehlen, Reiseimpfungen spätestens zwei Wochen vor Reisebeginn abzuschließen, und manche Impfungen bestehen aus mehreren Terminen. Die DTG rät in ihren Hinweisen zur Reiseapotheke, je nach Ziel 8 bis 14 Wochen vorher Zeit einzuplanen.
Kann ich mich bei der STIKO oder beim RKI persönlich beraten lassen?
Nein. STIKO, Robert Koch-Institut und DTG führen nach eigenen Angaben keine individuellen Beratungen zu Reiseimpfungen durch. Dafür sind spezialisierte niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Tropeninstitute und teilweise Gesundheitsämter da.
Lohnt sich die Beratung auch bei einer kurzen Reise?
Ja. Laut STIKO und DTG sind Infektionen bei entsprechender Risikokonstellation auch auf kurzen Reisen möglich. Außerdem ist die Beratung eine gute Gelegenheit, Standardimpfungen wie Tetanus, Diphtherie oder Masern zu prüfen.
Quellen
- RKI: Epidemiologisches Bulletin 27/2026, Empfehlungen der STIKO und der DTG zu Reiseimpfungen (Stand 02.07.2026)
- DTG: Zertifikat Reisemedizin, Grund- und Refresherkurs (Stand 2026-10)
- Bundesärztekammer: Curriculum Reisemedizinische Gesundheitsberatung (2. Auflage) (Stand 2020-05)
- DTG: Nachhaltige Reiseapotheke, allgemeine Hinweise (Stand 2026-10)
- Auswärtiges Amt: Thailand, Reise- und Sicherheitshinweise (Gesundheit) (Stand 2026-10)
- IGV-Durchführungsgesetz § 7: Spezielle Gelbfieber-Impfstellen (Stand 2026-10)